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PRIVATWETTERSTATION GERA-TINZ


In zunehmendem Maße beherrschen Schlagzeilen über weltweite Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen und Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen und Stürme die Berichterstattung der Medien. Dass es sich hierbei um Auswirkungen der ansteigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre handelt, lässt sich nicht mehr abstreiten. Ein Anstieg des Meeresspiegels, schrumpfende Gletschergebiete, wachsende Wüstenflächen sind nur einige Indizien eines sich wandelnden Klimas.

Auch wir in Thüringen bekommen die Veränderungen zu spüren. Während milde Winter und ein langer warmer Herbst noch zu den angenehmen Nebeneffekten zählen, sind Hitzewellen wie im Sommer 2003, Hochwasserkatastrophen wie 2013 und Orkantiefs wie Friederike im Januar 2018 bedrohlich und rütteln uns wach, dass die Zeit zum Umdenken und Umsetzen einer nachhaltigen Energieversorgung und Mobilität drängt.

Mit dem Anspruch, einen Beitrag zur Erforschung und Dokumentation der Klimaveränderung in unserer Region zu leisten, wurde die Privatwetterstation in Gera-Tinz gegründet.  Nachfolgend erfahren Sie mehr über die Messmethodik. Außerdem stehen Ihnen eine Vielzahl von Auswertungen und Statistiken als Download zur freien Verfügung.



Ein Blick hinter die Kulissen der Wetterwarte

 

Wetterhütte mit Messsensoren für Temperatur, Luftdruck und Feuchtigkeit
Ausschnitt aus den handschriftlichen Aufzeichungen

Der Standort der Wetterstation Gera-Tinz befindet sich in einer Vorstadt-Reihenhaussiedlung auf 218 m Meereshöhe. Seit 2004 gibt es eine Wetterhütte zur Messungen der Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks in 2 m Höhe. Weitere Messparameter sind Niederschlag, Windrichtung und Windgeschwindigkeit und werden von separaten Sensoren erfasst. Im Jahr 2012 wurde die alte Wetterhütte durch einen Neubau ersetzt.

Im 30-Minuten-Takt wird ein Datensatz aller Messparameter gespeichert, so dass täglich rund 500 Zahlenwerte erfasst werden. Hinzukommen Wetterbeobachtungen wie Bewölkungsgrad, Pflanzenphänologie, Wetterphänomene (Hagel, Windhosen etc.).

Am Ende jedes Monats und jedes Jahres werden die Daten und Beobachtungen ausgewertet, verrechnet (Software WsWin, Microsoft Excel) und in anschaulichen Diagrammen zusammengefasst.  Diese Informationen stehen Ihnen auf dieser Webseite unentgeltlich als Download zur Verfügung. Auf Anfrage erhalten Sie auch die Monatsdiagramme vor 2013 oder Einzelwerte zu bestimmten Tagen.




 

Referenzwerttabelle

Jede Wetterstation definiert Referenz- oder Sollwerte für Lufttemperatur und Niederschlag - Mittelwerte über einen definierten 30-jährigen Messzeitraum. Aktuell gilt noch die internationale Referenzperiode von 1961-1990. Diese wird bald durch die neue Periode 1991-2020 abgelöst werden. Da die Station Gera-Tinz erst seit 2001 existiert, sind deren Referenzwerte an Daten benachbarter Wetterstationen wie Gera-Leumnitz angelehnt. Natürlich müssen auch topographische Besonderheiten (z.B. Höhe über dem Meeresspiegel) berücksichtigt werden. Die folgende Graphik gibt einen Überblick über die derzeit gültigen Referenzwerte:

 

 


 

Monatliche Klimadiagramme (ab 2013)

 







































 









































Jahresdiagramme für Temperatur (ab 2006)















Jahresdiagramme für Niederschlag (ab 2006)















Gesamtauswertung der Wetterdaten


Jeder kennt die meteorologische Faustregel: "Wetter ist nicht gleich Klima"! Das Eintreffen eines einzelnen Extremwetterereignisses oder ein Temperaturrekord kann kein Beweis für eine langfristige Klimaveränderung sein. Je länger der Beobachtungszeitraum, desto eher können Rückschlüsse auf Veränderungen des Klima gezogen werden. Die Wetterstation Gera-Tinz verfügt inzwischen über eine 17 Jahre umfassende lückenlose Datenbasis mit mehr als 3 Millionen Messwerten. In diesem Zeitraum bilden sich bereits Veränderungen der Temperaturen und des Niederschlags ab und sind ein Indiz für den Prozess der globalen Erderwärmung mit regionalen Besonderheiten.

Zusammenfassend kann gesagt werden:

  1.  Die Temperaturerhöhung schreitet schneller voran.
  2.  Das Frühjahr und der Frühsommer werden zunehmend trockener.
  3.  Extremwetterereignisse wie Unwetter oder Maximumrekorde werden häufiger und intensiver.


Einzelbetrachtung Lufttemperatur

Nach Untersuchung der Entwicklung der Lufttemperatur als aussagekräftigster Parameter ergeben sich unter Betrachtung des Gesamtmesszeitraums folgende Ergebnisse (Referenzperiode 1961-1990; Stand Juni 2018):

  • 150 von 200 untersuchten Monaten fielen zu warm aus (75 %)
  • 50 von 200 untersuchten Monaten fielen zu kalt aus (25 %)
  • Gesamtwärmeüberschuss im Vergleich zum Normalwert: 1,18 °C
  • Jahresmitteltemperatur 2002 bis 2017: 9,68 °C

Vor allem die Jahre 2007, 2008, 2011, 2014-2017 waren von einem hohen Wärmeüberschuss (> 1,3 K) geprägt. 2010 war eine Ausnahme: Mit einer Mitteltemperatur von nur 8,11 °C war es das kälteste Jahr seit 1996. Das Jahr 2014 stellte einen neuen Wärmerekord auf: 11 von 12 Monaten fielen zu warm aus und die Jahresmitteltemperatur erreichte 10,87 °C!

 



Einzelbetrachtung Niederschlag

Nach Untersuchung des Niederschlagsverhaltens ergab sich für einen Messzeitraum von 200 Monaten folgendes Ergebnis (Referenzperiode 1961-1990; Stand Juni 2018):

  • 118 von 200 untersuchten Monaten fielen zu trocken aus (59 %)
  • 82 von 200 untersuchten Monaten fielen zu feucht aus (41 %)
  • prozentuale Abweichung der Niederschlagssumme von Oktober 2001 bis Mai 2018: - 6,6%
  • April, Mai und Juni mit der höchsten Negativbilanz
  • 2010 regenreichstes Jahr mit 771,8 l/m² (+ 143,8 l/m²)
  • 2003 trockenstes Jahr 454,5 l/m² (- 173,5 l/m²)



Phänologischer Kalender

 

Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresverlauf periodisch wiederkehrenden Vegetationsstadien von ausgewählten Pflanzenarten, sogenannten Zeiger-Pflanzen. In unserer Region gehören u.a. die Haselnuss, der Schwarze Holunder, die Stieleiche oder der Apfel dazu.

Erfasst werden jeweils die Eintrittszeiten in zehn definierte phänologische Jahreszeiten. Während der Winter, die Phase der Vegetationsruhe, ganzheitlich als Jahreszeit betrachtet wird, sind Frühling, Sommer und Herbst jeweils dreigeteilt. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase (z.B. der Beginn der Haselblüte) eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit.

Die "Phänologische Uhr" ist eine geeignete Darstellung der Dauer der einzelnen Jahreszeiten.

In Zeiten des Klimawandels sind diese Daten besonders wertvoll, weil sie sich in Beziehung zu Temperaturtrends und Witterungsverläufen setzen lassen und helfen, Klima-Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft zu entwickeln.





Nachfolgend finden Sie die phänologischen Uhren der letzten Jahre für den Standort Gera-Tinz.











Klimamodell "2050" für die Region Ostthüringen

 Angesichts der komplexen Dynamik der Atmosphäre der Erde, der trägen Reaktionszeit des Gesamtklimasystems und der Mischung natürlicher und anthropogener (= vom Menschen verursachter) Faktoren, sind die Klimamodelle immer mit Unsicherheitsfaktoren behaftet, selbst wenn man die unterschiedliche ökonomische Entwicklung der Weltbevölkerung und Weltwirtschaft berücksichtigt. Unter Anlehnung an die Modellvorhersagen der großen Klimainstitute halte ich, unter Einbeziehung meiner bisherigen Werte, folgende Prognose für Ostthüringen bis 2050 für wahrscheinlich:



  • Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 1,2 bis 2,5 °C (im Vergleich zu 2000)
  • Sommer und Winter mit stärkstem Temperaturanstieg
  • Übergangsjahreszeiten mit schwächerer Erwärmung
  • verschärfte Trockenheit im Frühjahr und Sommer
  • leichte Niederschlagszunahme im Herbst und Winter
  • insgesamt leicht rückläufiger Jahresniederschlag
  • Zunahme extremer Wetterereignisse (Stürme, Starkregen, Dürre)
  • Zunahme der Sommer- und Hitzetage (besonders in Ballungszentren)
  • Abnahme der Frost- und Eistage

 


 

Individuelle Maßnahmen gegen den Klimawandel

Angesichts der unübersehbaren Indizien für eine weltweite Veränderung des Klimas und einer zunehmenden Dynamik des Klimakreislaufes ist jeder Einzelne von uns aufgefordert, einen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase und den Ressourcenschutz zu leisten.

Neben der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder des Fahrrads innerhalb der Stadt, der Anschaffung von energieeffizienten Haushaltsgeräten und einer Vermeidung der Überheizung von Räumen, bietet die Branche der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität zukunftsfähige Möglichkeiten Strom sauber zu erzeugen bzw. zu nutzen.
Auch wir haben einen Schritt in diese Richtung getan und am Standort der Wetterstation in Gera-Tinz eine Photovoltaik-Kleinanlage mit einer Leistung von 5,1 kWp installieren lassen. Seit 2008 wird Strom in das öffentliche Netz eingespeist.